Gedenken zum Volkstrauertag am 15. November 2020 von Bürgermeisterin Silke Höflinger

Sehr verehrte, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

das Gedenken zum Volkstrauertag werden wir in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie und in Abstimmung mit den Städten und Gemeinden des Landkreises, in welchen das Gedenken stattfindet, ohne Teilnehmerinnen und Teilnehmer und damit auch ohne Reden, Ansprachen und musikalische und gesangliche Begleitung begehen.

Im Zeitraum von 11:30 Uhr bis 12:00 Uhr werde ich an den Gedenktafeln vor dem Walddorfer Friedhof und der Häslacher Kirche gemeinsam mit Herrn Pfarrer Souchon jeweils einen Kranz niederlegen und mit einem Gebet den in den beiden Weltkriegen gefallenen Soldaten und Mitbürgerinnen und Mitbürgern unserer Gemeinde sowie den Opfern von Terror und Gewalt der Kriege dieser Welt gedenken. In Walddorf werden auch Herr Röckel, Schulleiter der Gustav-Werner-Gemeinschaftsschule und Herr Herbig, Vorsitzender des VdK Walddorfhäslach teilnehmen. 

Diese aktuell schwierige und außergewöhnliche Zeit erleben wir in einem Jahr, in welchem wir in großer Dankbarkeit auf 30 Jahre Deutsche Einheit und 75 Jahre Frieden und Freiheit, demokratische Rechtsstaatlichkeit und Wahrung der Menschenrechte in unserem Land und in Europa blicken dürfen. Historisch betrachtet ist das ein außergewöhnlich langer Zeitraum des friedlichen Zusammenlebens auf dem europäischen Kontinent und die Macht der Gewohnheit verleitet dazu, diesen Zustand als eine unwiderrufliche Selbstverständlichkeit zu betrachten.

Doch die zahlreichen Kriegs- und Krisenregionen dieser Welt, in welchen täglich tausende Menschen durch Gewaltherrschaft und Terror, politische und religiöse Verfolgung, Hunger und Not leiden und sterben müssen, verdeutlichen, daß Frieden und Gerechtigkeit, Freiheit und Sicherheit keinesfalls eine gesellschaftliche Normalität sondern eher einen Ausnahmezustand darstellen.

Und auch unsere eigene, national tragische und schicksalshafte Vergangenheit des 20. Jahrhunderts zeigt, wie schnell freiheitliche Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte in Krisenzeiten durch extremistische Propaganda und Demagogie, durch fanatischen Terrorismus und menschliche Ohnmacht in ihren demokratischen Grundfesten systematisch untergraben und zerstört werden können.                                                                                                            

Unsere heutige liberale Demokratie ist das Vermächtnis der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts, bei welchen über 65 Millionen Menschen ihr Leben gewaltsam verloren haben und in Europa und der ganzenWelt furchtbare Gräueltaten begangen wurden.

Die Gedenkstätten der Kriegsgräber und Konzentrationslager sind Mahnmale für die Gegenwart und die Zukunft: „Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird.“ Mit diesen Worten unseres ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker wird deutlich, daß WIR, die heutigen und nachkommenden Generationen, einen bedingungs- und ausnahmslosen Auftrag haben: Diese Menschenverbrechen dürfen sich nicht wiederholen und nicht in Vergessenheit geraten. WIR sind es, die für Aussöhnung und Völkerverständigung, für Toleranz und Wahrung der Würde eines jeden Menschen Verantwortung tragen. WIR sind es, die für ein friedvolles, durch Vertrauen und Wertschätzung, Fürsorge und Freundschaft geprägtes Zusammenleben auf dieser Erde nachdrücklich und mit ganzer Kraft einstehen müssen.

Und deshalb sind WIR am Volkstrauertag in unseren Gedanken, in unserer tiefen Trauer und in unseren Gebeten mit all den Menschen auf dieser Welt verbunden, die nicht in Frieden und Freiheit leben können, die durch Krieg und Gewalt, Verfolgung, Folter und Rassenwahn, durch Hunger, Naturkatastrophen und Ressourcenmangel großes Leid, tiefe Trauer und quälende Schmerzen ertragen und sterben müssen.

Zugleich tragen wir die Erinnerung an die Opfer der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts in unseren Herzen. Über 65 Millionen Menschen sind gewaltsam und qualvoll ums Leben gekommen: Soldaten, Zivilisten, Kriegsgefangene und Vertriebene, Widerstandskämpferinnen und -kämpfer, Andersgläubige und Menschen mit Einschränkungen.

Zutiefst trauern wir um die über 6 Millionen Menschen jüdischen Glaubens und Sinti und Roma, welche durch den nationalsozialistischen Rassenwahn ihrer Menschenwürde beraubt, systematisch ausgegrenzt und verfolgt und auf unvorstellbar grausame Art getötet wurden. 

Wir trauern um unsere gefallenen Soldatinnen und Soldaten und die betroffenen Bevölkerungen in den weltweiten Kriegs- und Krisenregionen und sind in Gedanken bei den tausenden Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten und allen weiteren Einsatzkräften, die sich weltweit für Frieden, Sicherheit und Menschenrechte einsetzen.

Wir werden das Vermächtnis aller Opfer wahren, an die nachkommenden Generationen weitergeben und uns für Frieden und Freiheit, Gerechtigkeit und ein menschenwürdiges Leben einsetzen.

Und ich schließe mit den Worten von Dietrich Bonhoeffer: „Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

In gemeinsam stillem Gedenken

am Volkstrauertag, den 15. November 2020 verbleibe ich

Ihre
Silke Höflinger
Bürgermeisterin 

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